Mittwoch, 21. Januar 2015

Angst

Schon immer war ich ein Angsthase, ein richtiger Schisser. Ich war klein, schüchtern und es gab für mich nichts Schlimmeres, als aus der Reihe zu tanzen. Was mich in der Grundschule und Anfangszeit auf dem Gymnasium wohl zum perfekten Opfer gemacht hat. Immer in mich gekehrt lief ich über den Schulhof, war nie die Beliebteste, hatte sehr wenige Freunde und obwohl ich keiner Fliege was zu Leide getan habe, taten es einige mir. Das Sprichwort "Was dich nicht umbringt, macht dich stärker", hat bei mir irgendwie nie gefruchtet. Ich habe mir alles gefallen lassen, hatte Angst. Angst, dass es noch schlimmer wird, dass sich noch mehr Mitschüler gegen mich stellen. Es war einfach mich zu mobben, ich gab keine Widerworte. Noch nicht mal im Traum hätte ich daran gedacht, mich gegen diese Mädchenclique zu stellen, ihnen meine Meinung zu sagen. Ich, ich hatte es wahrscheinlich verdient. Wer nichts besonderes ist, wer so ist wie ich, verdient es so behandelt zu werden.
Das war der größte Fehler, den ich machen konnte. Wie heißt es so schön? My Body - My Rules. Niemand, wirklich niemand hat das Recht, eine andere Person schlecht zu behandeln. Jetzt im Nachhinein betrachtet, wäre ich diesen drei Mädchen ins Gesicht gesprungen, hätten sie nur einen blöden, verletzenden Satz über mich gesagt. Früher wusste ich es nicht besser.


Ich will hiermit jedem Mut machen, der zu schüchtern ist, seine Meinung zu vertreten oder sich für sich selbst einzusetzen, denn glaubt mir, es ist selten, dass jemand anderes für euch eintritt. Meine Schüchternheit hat lange einen sehr großen Teil in meinem Leben eingenommen und es lag auch sehr an der Erziehung meiner Eltern. Ich will nicht sagen, dass sie einen Fehler gemacht haben, ich hatte wirklich die schönste Kindheit, die man sich vorstellen kann. Aber mir wurde nie beigebracht, wie ich mit Dingen, die mich betreffen, umgehen kann. Wie ich einfach frei Schnauze meine Meinung sag. Klar, es liegt auch im Charakter selbst, ob man in Situationen eher offensiv oder defensiv ist. Die gesamte Schulzeit über, und das waren bei mir 14 Jahre, war ich zu ängstlich, das zu sagen, was ich dachte. Das zu tun, was ich wollte. Hab mir zu viele Gedanken gemacht, was meine Mitschüler über mich denken können. Mittlerweile hat sich das extrem geändert.


Ich bin zwar nicht die selbstbewussteste Person auf diesem Planeten, aber ich hab besonders im letzten Jahr nach dem Abitur so viel dazugelernt und erlebt. Auch mein Job im Einzelhandel hat mir sehr dabei geholfen, offen auf Menschen zuzugehen, nicht von jeder Situation das Schlimmste zu erwarten und einfach entspannter mit mir und meinem Umfeld umzugehen. Es ist seltener der Entschluss, selbstbewusst zu werden, als einfach die Erfahrung. Die Dinge, die wir erleben. Denn sie machen uns zu der Person, die wir letztendlich sind. Ich hatte es schon längst aufgegeben und mich auch nicht wirklich gepusht selbstbewusster und weniger ängstlich zu werden. Nur kann man nicht von heute auf morgen beschließen, dass das geht. Der Erfolg mein Abitur geschafft zu haben, direkt danach einen (Neben-)Job zu finden. Aber auch die Enttäuschung von Freundinnen, denen ihre rechthaberische Art und Weise wichtiger, als die Freundschaft war. Eine gescheiterte Beziehung. All das hat dazu geführt, dass ich nicht mehr mit mir machen lasse, was andere wollen. Mir ist in dieser Zeit klargeworden, dass ich an aller erster Stelle komme. Freunde kommen und gehen, aber man muss ein ganzes Leben mit sich selbst klarkommen, deshalb sollte es einem so gut gehen wie es geht. Man sollte den Mut haben, Entscheidungen zu treffen, die vielleicht nicht jedem gefallen und auch Leute aus dem Leben zu schmeißen, die einem nicht gut tun, die einen nicht weiterbringen.
Vorallem aber sollte man keine Angst haben, man selbst zu sein.






Lizz

Sonntag, 18. Januar 2015

Können wir uns glücklich schätzen frau zu sein ?

Lookbooks, Schminktutorials, "Get ready with me's". Mittlerweile finden wir auf Youtube alles was das Frauenherz begehrt und ich will ehrlich sein, mich hat die ein oder andere Youtuberin auch schon in ihren Bann gezogen mit schönen Outfit Ideen, ihrem gut durchdachten Make up und auch "Healthy Lunch Ideas", aber ist das alles was Frausein zu bieten hat? Manch ein Mann mag diese Frage wohl mit einem sehr lauten Ja beantworten. Aber wir Frauen haben doch so viel mehr. Klar, beneide ich die ein oder andere Männerfreundschaft. Wie schön wäre es ohne ständiges Gezicke auskommen zu müssen. Wenn ich sehe, wie schnell einige Freundinnen bei kleinen Lappalien schon auf 180 sind, während jeder Mann es noch nicht mal realisieren würde. Und natürlich das leidige Thema des im stehen Pinkelns, sind wir Frauen da nicht alle neidisch drauf? Einfach in die nächstgelegene Ecke gehen und alles laufen lassen und was machen wir? Vollführen einen Balanceakt um ja nicht mit dem Po den dreckigen Klodeckel einer öffentlichen Toilette zu berühren oder im besten Fall setzen wir uns im Gebüsch in Dornen oder Brennnesseln, hab ich alles schon gehabt.
Und trotzdem würde ich um kein Geld der Welt ein Mann sein wollen. Sind wir mal ehrlich, wie gut tut so ein Mädelsabend mit Sex and the City, Gesichtsmasken und ja, auch der ein oder anderen Lästerei. So sind wir Frauen halt und ohne das würden wir zwar einige Tage auskommen, aber sicherlich kein ganzes Leben. Beneiden uns die Männer nicht auch darum, Gefühle zeigen zu können ohne direkt als schwach abgestempelt zu werden? Zwar ist unser monatlicher Besuche eine ganz blöde Laune der Natur gewesen, aber dafür dürfen wir uns in die Arme unseres Liebsten kuscheln und in uns in bösen Situationen von ihm beschützen lassen. Und trotzdem sind wir stark und eigenständig, wissen um unsere kleinen Makel und genauso gut wie wir sie spielend leicht verschwinden lassen können. Ich bin gern eine Frau, das merke ich immer wieder.

Lizz

Freitag, 16. Januar 2015

Neue Beziehung, alte Angewohnheiten und Vergleiche

Eine Freundin meinte mal zu mir, dass man in jede neue Beziehung immer etwas von seiner alten mitnimmt. Ich konnte ihr zu dem Zeitpunkt nicht zustimmen, weil ich mich in einer sehr langen Beziehung befand und mir davor nicht wirklich Gedanken gemacht hab. Jetzt bin ich an den Punkt gekommen, dass sich diese lange Beziehung aufgelöst hat, schon vor Monaten, und ich seit wenigen Wochen einen neuen Freund habe.
Es stimmt. In diesen 5 Jahren habe ich mich so auf meinen Freund eingelassen, irgendwie war alles klar, wir waren aufeinander eingespielt. Man wusste genau was der andere mag, wie er ist, was er will. Jetzt einen neuen Freund zu haben, der von seiner Persönlichkeit her nicht mit meiner alten Beziehung zu vergleichen ist, ist etwas strange. Obwohl von vornherein klar ist, alles ist anders. Eine neue Liebe lässt uns nochmal bei null starten. Auch wenn wir uns fälschlicherweise als "Beziehungsexperten" betiteln, wir sind es nicht und wir werden es nie sein. Eine lange Beziehung heißt nicht, dass man den genauen Durchblick hat. Es bedeutet nur, dass man darin geübt ist, auf langen Zeitraum mit einer Person klarzukommen. Und das ist gut, stellt euch mal vor jede unserer Beziehungen würde nur 3 Monate halten, was wäre das für ein Stress?
Immer wieder neu kennenlernen, sich vorstellen, dem anderen verdeutlichen was man mag. Allein so Kleinigkeiten wie Lieblingsessen, Allergien, Schlafgewohnheiten. Anfangs war es für mich unglaublich schwer in diese neue Beziehung zu starten, weil ich es einfach gewohnt war, dass mein Gegenüber an meiner Mimik oder Gestik genaustens erkennt, wie es mir geht oder was ich gut finde. Man muss sich neu kennenlernen und wäre dabei eine nette Gebrauchsanweisung oder ein Wikipedia-Artikel über uns nicht hilfreich ?
Sowas lässt sich allerdings nur mit viel Konversation lösen, was wir auch gemacht haben. Wie viele Nächte wir wach verbracht und einfach nur geredet haben. Über uns, über die Vergangenheit, über Wünsche und Träume. Und wie uns dabei Stück für Stück aufgefallen ist, wie ähnlich wir uns doch sind.
Trotzdem ertappe ich mich hin und wieder dabei, wie ich einzelne Situationen dazu nutze, meinen Freund mit meinem Exfreund zu vergleichen. Dabei ist dieser Vergleich so fehl am Platz. Beide sind grundverschieden und das hab ich schon nach kürzester Zeit gemerkt.
Klar, es ist schwer, mit einer ganz frischen Einstellung an die nächste Beziehung zu gehen. Denkt aber daran, all die Dinge, die ihr in der vorherigen Beziehung bemängelt habt, alle alten Angewohnheiten, die ihr durch die Beziehung hattet. Ihr könnt eine neue Beziehung als neuen Versuch sehen. Und diesen Versuch, diese Gelegenheit solltet ihr nicht mit Gedanken an die Vergangenheit zerstören. Es gibt sicherlich einige Eigenschaften, die ihr an eurem Expartner zu schätzen wusstet und nun traurig seid, dass er nicht mehr da ist. Aber es gab einen Grund, warum es nicht funktioniert hat. Die nächste Beziehung bringt neue Erfahrungen und vielleicht klappt es besser.
Ich hab diese Einsicht in den letzten Tagen erlangt. Ich versuche nichts aus der alten Beziehung in meine neue zu tragen und bin so glücklich, wie ich es seit Jahren nicht mehr war.
Viel Glück euch !

Lizz