Das war der größte Fehler, den ich machen konnte. Wie heißt es so schön? My Body - My Rules. Niemand, wirklich niemand hat das Recht, eine andere Person schlecht zu behandeln. Jetzt im Nachhinein betrachtet, wäre ich diesen drei Mädchen ins Gesicht gesprungen, hätten sie nur einen blöden, verletzenden Satz über mich gesagt. Früher wusste ich es nicht besser.
Ich will hiermit jedem Mut machen, der zu schüchtern ist, seine Meinung zu vertreten oder sich für sich selbst einzusetzen, denn glaubt mir, es ist selten, dass jemand anderes für euch eintritt. Meine Schüchternheit hat lange einen sehr großen Teil in meinem Leben eingenommen und es lag auch sehr an der Erziehung meiner Eltern. Ich will nicht sagen, dass sie einen Fehler gemacht haben, ich hatte wirklich die schönste Kindheit, die man sich vorstellen kann. Aber mir wurde nie beigebracht, wie ich mit Dingen, die mich betreffen, umgehen kann. Wie ich einfach frei Schnauze meine Meinung sag. Klar, es liegt auch im Charakter selbst, ob man in Situationen eher offensiv oder defensiv ist. Die gesamte Schulzeit über, und das waren bei mir 14 Jahre, war ich zu ängstlich, das zu sagen, was ich dachte. Das zu tun, was ich wollte. Hab mir zu viele Gedanken gemacht, was meine Mitschüler über mich denken können. Mittlerweile hat sich das extrem geändert.
Ich bin zwar nicht die selbstbewussteste Person auf diesem Planeten, aber ich hab besonders im letzten Jahr nach dem Abitur so viel dazugelernt und erlebt. Auch mein Job im Einzelhandel hat mir sehr dabei geholfen, offen auf Menschen zuzugehen, nicht von jeder Situation das Schlimmste zu erwarten und einfach entspannter mit mir und meinem Umfeld umzugehen. Es ist seltener der Entschluss, selbstbewusst zu werden, als einfach die Erfahrung. Die Dinge, die wir erleben. Denn sie machen uns zu der Person, die wir letztendlich sind. Ich hatte es schon längst aufgegeben und mich auch nicht wirklich gepusht selbstbewusster und weniger ängstlich zu werden. Nur kann man nicht von heute auf morgen beschließen, dass das geht. Der Erfolg mein Abitur geschafft zu haben, direkt danach einen (Neben-)Job zu finden. Aber auch die Enttäuschung von Freundinnen, denen ihre rechthaberische Art und Weise wichtiger, als die Freundschaft war. Eine gescheiterte Beziehung. All das hat dazu geführt, dass ich nicht mehr mit mir machen lasse, was andere wollen. Mir ist in dieser Zeit klargeworden, dass ich an aller erster Stelle komme. Freunde kommen und gehen, aber man muss ein ganzes Leben mit sich selbst klarkommen, deshalb sollte es einem so gut gehen wie es geht. Man sollte den Mut haben, Entscheidungen zu treffen, die vielleicht nicht jedem gefallen und auch Leute aus dem Leben zu schmeißen, die einem nicht gut tun, die einen nicht weiterbringen.
Vorallem aber sollte man keine Angst haben, man selbst zu sein.
Lizz


